Wie „smart Materials“ den Skibau von zai beeinflussen

Wie „smart Materials“ den Skibau von zai beeinflussen

Unsere Materialien sind zäh, sie sind echt, sie sind beständig und sie sind smart. Unter „smart Materials“ werden Festkörper, Flüssigkeiten und Gase verstanden, die selbständig, ohne eine Regelung von aussen, auf verändernde Umweltbedingungen wie etwa Temperaturerhöhung oder mechanische Belastung reagieren. Im Wissen darüber gibt es zwei Varianten wie damit umgegangen werden kann: man nimmt es zur Kenntnis oder man versucht die „Intelligenz“ des Materials zu nutzen. Es ist wohl nicht nötig zu erwähnen, welchen Weg zai Designer Simon Jacomet  gewählt hat. Ich habe ihm dazu ein paar Fragen gestellt.

Welchen Einfluss hat aktives Material auf die Herstellung der Skis?
Aufgrund der obigen Definition gehen wir davon aus, dass jedes Material intelligent, sprich aktiv ist. Wenn ich also einen warmen Ski auf den kalten Schnee lege, entsteht dadurch eine Wirkung. Unser Ziel ist es, diese bestmöglich zu verstehen und zu ergründen wie sie genutzt werden kann. Bestimmte Materialien haben den Effekt, dass sie durch Kälte stärker verformt werden als andere. Dies bedeutet, dass der Vorspann, den ich in der Manufaktur definiere, nicht automatisch der perfekte Vorspann im Schnee ist. Wir müssen je nach Verwendung eines Materials die richtige Einstellung im Schnee finden. Für den Kunden kann dies bedeuten, dass der Vorspann seines zai Skis in der Gondel anders aussieht als direkt auf der Piste. Solche Phänomene haben schon öfters zu Diskussionen geführt. Da besteht natürlich Informationsbedarf unsererseits.

Wie kannst du diese Aktivität bei der Skientwicklung nutzen?
Die Komplexität entsteht dadurch, dass im Skibau im Gegensatz zu früher nie ein einzelnes Material verwendet wird. Darum müssen die Eigenschaften als solche erkannt werden, damit unterschiedliche Materialien erfolgreich kombiniert werden können. Bestimmtes Material verhält sich bei Vibrationen negativ. In der Kombination mit dem „richtigen“ Material kann daraus eine neue und gewünschte „Aktivität“ entstehen. Diese Phänomene sind aber bereits Betriebsgeheimnisse.

Sind diese Phänomene beim Skifahren spürbar?
Im Idealfall entsteht eine Stimmigkeit, diese soll spürbar sein und nicht das „aktive Phänomen“ an und für sich. Hinter unseren Produkten steckt eine Philosophie, die breitgefächert und für jeden Skifahrer unterschiedlich spürbar ist. Wer einen zai Ski fährt und die Bereitschaft hat sich auf unsere Produkte einzulassen, wird immer wieder Feinheiten entdecken. Wir streben einen Einklang der inneren und äusseren Kräfte und einem Produkt an, welches dies erlaubt. Mit diesem Ansatz wird das Skifahren nie langweilig, weil man es nie perfekt beherrscht. Auf dem Weg dazu wird man aber im Schnee ab und zu genau die Linie finden, die den Berg versteht – wie es bereits Leo Tuor in unserem zai Gedicht beschrieben hat.

Welches Material hat sich bei zai am besten bewährt?
Das beste Material gibt es nicht. Einerseits hängt es massgebend davon ab, ob es richtig gebraucht oder ausgereizt wird. Andererseits geht es um die bestmögliche Kombination von unterschiedlichen Materialien. In unserer Geschichte haben wir nicht nur positive Erfahrungen gemacht und immer wieder unerwartete Überraschungen erlebt. Sowohl aus dem Positiven, wie auch Negativen haben wir uns weiterentwickelt. Ich denke, dass darin eine der Stärken von zai liegt. Nehmen wir zum Beispiel Cellulose Acetat, ein Material, das sich bei meinen ersten Versuchen vor acht Jahren nicht anwenden liess. Das Material wurde bereits in den 70er Jahren in der Ski Branche erfolglos getestet. Heute sind wir die ersten, die es verarbeiten können. Hartnäckigkeit und die richtigen Schlüsse haben zum Erfolg geführt, Wissen wird zum Gestalten.

Was ist anders als bei anderen Materialien?
Es geht immer um die Faktoren Qualität und Verarbeitung. Carbon Fasern kosten mehr, leichteres Holz, zudem in Stäben verleimt, kostet mehr. Aber ohne die richtige Verarbeitung wären die Qualitätsvorsprünge dieser Materialien nutzlos: Wieviel Carbon Fasern in welcher Laufrichtung, mit welchem Material kombiniert? Welches Holz in welcher Dicke? Ein weiterer Punkt: bei den hochwertigsten Belägen und Kanten verwenden wir zusätzlich die dicksten Varianten davon und erzielen durch unsere Verarbeitung Vorsprünge in der Langlebigkeit. An die Skioberfläche schaffen es nur Materialien, welche in erster Linie die Fahrqualität, den Charakter beeinflussen, sich im Unterhalt auch nachbearbeiten lassen und darum in unserem Sinne „schön“ sind.

Wie beeinflusst dies die Art Ski zu bauen?
Der zeitliche Aufwand bewegt sich in anderen Dimensionen als bei gängigen Produkten. Mit gängigen Produkten meine ich auch Skis, welche zwar oberhalb von Massenprodukten angesiedelt sind, sich aber in der Herstellung nicht wesentlich von Massenprodukten unterscheiden und eher mit optisch ansprechendem Design punkten wollen. Obwohl wir oft auf unser optisches Design angesprochen werden, der Grundansatz ist immer ein ganzheitliches „technologisches Design“. Im Entwicklungsablauf bedeutet dies auch immer wieder die sicheren Pfade zu verlassen. Hört sich nach Zufall an, ist jedoch immer mit einem klaren Fokus verknüpft: unseren Grundwerten.

Danke Simon!