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Das Tor zum Luxus

Der Sinn für das Schöne wurde ihm in die Wiege gelegt: Paolo Pitton wuchs als Sohn einer Modeunternehmerin auf. Schon als Kind schrieb er seine Hausaufgaben in den Boutiquen seiner Mutter am Comer See, umgeben von italienischem Charme und der Aura von Luxus. Für sein Studium der Betriebswirtschaft zog es ihn an die Universität Bocconi in Mailand. Heute ist er zurück im Geschäft – und zwar mehr denn je.

Die Rede ist von Paolo Pitton, seit 2017 Director der Grieder Stores und seit 1. September 2020 General Merchandise Manager bei Bongénie-Grieder, Brunschwig Group. Die Geschichte des exklusiven Hauses, welches Luxus in 15 Boutiquen an bester Lage sowie im Online Shop inszeniert und erlebbar macht, reicht bis in das Jahr 1891 zurück – eine Zeit, in der Kleider nach allen Regeln der Schneiderei und Handwerkskunst gefertigt wurden und deren hochwertige Qualität dafür gesorgt hat, dass diese noch über Generationen weitergegeben werden konnten.

Mehr als Luxusgüter – wahrer Lifestyle

präsentiert sich heute in den exklusiven Grieder-Filialen: ob am Place du Molard in Genf, am Place St-François in Lausanne, an der Züricher Bahnhofstrasse oder an der Eisengasse in Basel – der Strahlkraft der eleganten Häuser ist nur schwer zu widerstehen. Ebenso wenig dem Charme von Paolo Pitton. Den gross gewachsenen, aparten und vielseitigen Zukunftsentwickler im Luxussegment verbindet eine Freundschaft mit Benedikt Germanier, CEO von zai. zai durfte während der Wintersaison 2017/18 die Ski Kollektion in den Grieder Stores vorstellen. Aus der geschäftlichen Verbindung wurde schon bald mehr: Eine tragfähige Beziehung. Und Freundschaft. Der wahre Luxus?

Benedikt Germanier im Gespräch mit Paolo Pitton, General Merchandise Manager bei Grieder

Welcher Zauber umhüllt jemanden, der heute in die Grieder-Welt eintritt?

Es ist der Zauber des Schönen, das Gefühl, sich selbst zu belohnen. Dieses Gefühl kommt nicht allein von den Produkten. Service ist der Schlüssel. Wir zeigen unseren Kundinnen und Kunden, was aktuell das Beste ist – ein neuer Trend, eine neue Kombination… Unsere Aufgabe ist es, die beste Wahl für unsere Kundinnen und Kunden zu treffen.

Wer an Luxusbekleidung denkt, denkt an Grieder – und umgekehrt. Wie schafft man es, zur ersten Adresse zu werden?

Wer in seinem Segment führend sein will, muss Produkte, Service und das Geschäft darauf abstimmen, was die Menschen von einem erwarten. Man muss konsistent sein im Auftritt, Versprechen einlösen, dem Status und dem Kundenerlebnis treu bleiben. Dafür gibt es keine Abkürzungen, dessen sind wir uns bewusst.

Auch unter Luxusexperten gilt Grieder als Leuchtturm. Wie hat das von der Familie geführte Unternehmen diesen Status erreicht?

Grieder ist ein Unternehmen mit 129 Jahren Tradition. Von der massgeschneiderten Kleidung des 19. Jahrhunderts bis hin zu Prêt-à-porter Kollektionen hat sich Grieder immer wieder neu erfunden. Hierfür müssen stets die richtigen Produkte mit den richtigen Services, welche von den richtigen Mitarbeiten erbracht werden, geboten werden. Das ist in jedem Top-Segment so. Nehmen wir als Beispiel die Universitäten. Was macht die ETH oder Harvard so besonders? Es sind nicht die Bücher oder Informationen. Es ist die Auswahl des Materials, es sind die Menschen, die lehren, und es ist die Kultur des Lernens, welche zu diesem Herausragen beitragen.

Ein gutes Stichwort: Welche sind die Kriterien bei der Auswahl eurer herausragenden Produkte?

Obwohl wir ein breites Spektrum an Kategorien und Marken abbilden, lässt sich doch eine Gemeinsamkeit finden: Wir wählen Produkte von markantem, charakteristischem und unverwechselbarem Wert. Sei es in der Qualität des Materials oder in der Herstellung, sei es die Innovation in Stil, Form, Verarbeitung oder die Kombination von Materialien: Wir kuratieren Produkte die einzigartig sind und Menschen glücklich machen.

Welche Bedeutung hat die Handwerkskunst in dem Kontext?

Das Handwerk ist im Wesentlichen das wertsteigernde Element in der Industrie. Es ist ein langer Weg von dem Moment, in dem ein Designer ein Produkt entwirft, bis dieses tatsächlich der Öffentlichkeit präsentiert wird. Alle Entscheidungen, Anpassungen, Prototypen werden von erfahrenen Fachleuten handgefertigt, immer und immer wieder, bis zur Perfektion. Unsere High-End-Produkte werden ausnahmslos von unseren Lieferanten in Europa handgefertigt. Hier finden wir nach wie vor das höchste Niveau an Kompetenz, Erfahrung und Leidenschaft für nachhaltige Schönheit und Liebe zum Detail. Luxus behält seinen Wert für eine lange Zeit – Luxus ist zeitlos.

Wie lassen sich die beiden Kräfte – einerseits die schnelllebige und vergängliche Modewelt und andererseits der zeitlose und langlebige Luxus – unter einem Dach vereinbaren?

Die Entwicklung ersetzt möglicherweise die Einzigartigkeit. Das ist in der Tat eine Herausforderung. Unsere Aufgabe ist es, sicher zu stellen, dass wir unseren Kunden, die diesen schmalen Grat beschreiten, jeweils das beste Produkt präsentieren. Luxusunternehmen investieren, um ihnen genau das zu bieten – das Beste aus jeder Sparte. Auch das entwickelt sich weiter – und mit der Feinabstimmung der Produkte auf die richtige Art und Weise und zur richtigen Zeit gelingt es, die beiden Kräfte zu vereinen. zai ist dafür ein gutes Beispiel: Warum ist zai einzigartig? Weil ihr laufend neue Erkenntnisse, neue Werkstoffe, neue Verbindungen entwickelt. Was zai von anderen Skiproduzenten unterscheidet, ist die Innovationskraft. Ihr erfindet und lanciert neue Produkte, die kein anderer Hersteller je zuvor realisiert hat. Das wird belohnt.

Die Geschäftswelt wird immer digitaler. Ist Grieder in gewisser Weise immun gegen diese virtuellen Entwicklungen?

Wir sind nicht immun. Die Digitalisierung ist Teil unserer Gegenwart und Zukunft. Bei Bongénie-Grieder pflegen wir enge Beziehungen zu unserer Kundschaft. Wir wollen kohärent sein, in den Stores wie auch in unserem Online-Shop.

Wie kann dieses durchgängige Kundenerlebnis gelingen?

Indem wir den digitalen Kunden höhere Servicestandards bieten, wie zum Beispiel wertvolle Anregungen, individuell abgestimmt auf die Kundin oder den Kunden. Aber auch durch einen exzellenten Kundendienst, unabhängig davon, ob der Kunde online Unterstützung für einen Einkauf im Store wünscht oder umgekehrt Service im Geschäft für Einkäufe, die er digital getätigt hat, in Anspruch nimmt. Wir nennen es das „phy-gital“-Credo von Bongénie-Grieder!

Wie wird Euer Business in fünf Jahren aussehen?

Anders. Die Mode hat so viele Veränderungen durchgemacht. Es ist ganz natürlich, sich zu verändern. Bestand haben diejenigen, die den Bedürfnissen ihrer Kunden folgen. In Zukunft beispielsweise dem Bedürfnis nach privaten Einkaufserlebnissen, individuellen Terminen, vielleicht auch zuhause oder in Form von Weiterbildungen, welche der Wertschätzung schöner Dinge dienen. Wie bei gutem Wein: Sie wissen vielleicht, was Sie lieben und was nicht; ein Sommelier kann Sie darüber hinaus lehren, den feinen Unterschied zu erkennen. Aber auch wir lernen täglich von unseren Kunden! Die internationale Klientel erkennt ein gutes Produkt – sie wurden darin unterrichtet, genauso wie in Wein, Musik und Etikette. Kundinnen und Kunden aus Rom, Lucca, Mailand, St. Petersburg, Paris kommen mit einem hohen ästhetischen Verständnis zu uns. Wir spiegeln das internationale Flair unserer Besucher und Anbieter wider. Wertschätzung, Langlebigkeit und Nachhaltigkeit sind der neue Luxus – ebenso wie gute und stabile Beziehungen.