zai bekennt sich zu Graubünden

zai bekennt sich zu Graubünden

Der Bündner Skihersteller zai strukturiert sich um: die neue Manufaktur entsteht in einem Joint Venture mit dem italienischen Unternehmen Blossom Skis im Bergell. Das zai Lab und der Showroom wechseln nach Zürich in die Nähe des Partners ETH.

 

Die Neuorientierung wird von den Investoren unterstützt, welche in 15 Jahren mehr als 14 Mio. Franken in die kompromisslose Idee eines handgefertigten Skis aus den Bündner Bergen gesteckt haben. Produktion, Forschung und Vertrieb werden aus einer Gesamtschau betrachtet: die Produktion bleibt in Graubünden. Die Forschung wird ausgegliedert und die Vertriebsstruktur über die bewährten Händler beibehalten.

 

Manufaktur im Bergell

zai bekennt sich zum Produktionsstandort und zur DNA Graubünden. Die Manufaktur zügelt von Disentis ins Bergell. Der genaue Standort ist noch offen. zai und Blossom Skis wollen mit dem Joint Venture Kompetenz und Qualität, sowie Swissness und Funktionalität mit effizienten Produktionsabläufen verbinden und so den Zeitgeist im Skibau treffen. Die Zusammenarbeit mit Blossom Skis ermöglicht es zai, weiterhin hochqualitative Skis in der Schweiz herzustellen, aber neu auch hochwertige und handgefertigte Skis im mittleren Preissegment anzubieten. Dabei werden die Bereiche von Allround bis Racing abgedeckt. Der Verkauf von zai erfolgt weiterhin über die bewährten Händler, welche insbesondere im Engadin und Flims Laax, aber auch international, die zai-Produkte vertreiben.

 

zai Lab in Zürich

Während die Kollektion für den nächsten Winter bereits produziert wurde, arbeitet das zai Lab in der Region Zürich an einem revolutionären neuen Ski für die Saison 2019/2020. Der neue Ski wird den Stein vom Kern an die Oberfläche holen und mit einem neuen Design überraschen. Der Standort des zai Lab ist insbesondere auch für die enge Zusammenarbeit mit der ETH wichtig. Einerseits besteht ein Innosuisse-Projekt im Bereich Materialwissenschaften, zum andern eines mit einem ETH-Spin-off im Designbereich. Ausserdem hat zai Zugang zum grössten 3D-Drucker im deutschsprachigen Europa. Das zai Lab in der Nähe von Zürich ist somit ein Hub für Technologie, Business und Marketing. Angegliedert an das zai Lab ist auch der Showroom, welcher an zentraler internationaler Kundenlage die zai Welt von Ski über Helm zu Bekleidung und Golf präsentiert. Nach wie vor wird es für die Kunden in den Alpen möglich sein, die zai-Produkte zu testen, Einblick in die zai-Philosophie zu erhalten und den zai-Service in Anspruch zu nehmen. Der ehemalige Bündner Weltcupfahrer Franco Cavegn wird auch weiterhin die zai-Events begleiten. Auch er schätzt die “zähe” Qualität und Langlebigkeit der zai-Skis (zai romanisch für “zäh”).

 

Fragen an den CEO:

zai muss Kosten sparen und geht deshalb von Disentis weg. Wieso wird eine Produktion im Bergell günstiger – hätte man da nicht gleich in Disentis bleiben können?

Den Entscheid, von Disentis wegzugehen haben wir uns nicht einfach gemacht. Die Investoren verlangten zurecht eine Gesamtsicht von Forschung, Produktion und Verkauf. Das haben wir gemacht. In der Produktion können wir mit dem Joint Venture Know how und Kosten teilen. Mit der Forschung gehen wir näher zur ETH, mit welcher grosse Projekte laufen. Und beim Verkauf konzentrieren wir uns nebst unserem Showroom in Zürich weiterhin auf die bewährten Vertriebspartner, welche unseren Kunden in den Bergen die zai-Philosophie vermitteln. Wir produzieren den Bündner Ski in Graubünden und sind mit unseren Sportgeräten insgesamt noch näher am Kunden.

 

Was passiert mit Disentis und den Mitarbeitenden?

Wir haben den Produktionsstandort Disentis wie im Herbst angekündigt auf Ende März geschlossen. Die Mitarbeitenden (520 Stellenprozente) wollten nicht aus der Surselva weg und verlieren leider ihren Job bei zai. Sie hatten aber 15 Jahre lang eine Arbeit in Disentis und haben diese auch hervorragend gemacht). Die internationale Konstellation im Skimarkt und die Investoren zwingen uns jedoch zu einer Umstrukturierung von Forschung, Produktion und Verkauf. Wir müssen effektiv werden, wirtschaftlich nachhaltig. Wir müssen nicht nur die besten Skis herstellen können, sondern im Sortiment auch breiter werden, in der Forschung die Nase vorn haben und international noch mehr Kundennähe herstellen.

 

Was passiert mit zai-Gründer Simon Jacomet?

Simon hat zai 2003 mitgegründet. Ich bin seit 2009 dabei. Nun gehen wir getrennte Wege. Das war auch für mich sehr emotional. Aber: wir müssen den Kunden im Fokus haben und dürfen das Unternehmen bei der Weiterentwicklung nicht um Personen bauen. Simon hatte eine unterschiedliche Auffassung von der strategischen Neuausrichtung von zai. Die Wurzeln von zai werden aber immer mit Simon verbunden bleiben.

 

Sie steigen mit zai neu auch ins mittlere Preissegment ein. Machen Sie damit den Brand zai nicht kaputt?

Wir steigen neu auch ins mittlere Preissegment ein. Wie genau kann ich noch nicht verraten – aber wir sind uns sehr wohl bewusst, dass wir unseren Brand nicht kannibalisieren. Im Gegenteil: wer im mittleren Preissegment auf den zai-Geschmack kommt, wird später auch Kunde des Brands zai werden. Klar bleibt: Swissmade wird hochqualitativ, aber auch hochpreisig bleiben. Geteiltes Know how und Produktion in der Schweiz ist effizient und sinnvoll, hat aber nach wie vor seinen Preis.

 

Warum gerade die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Blossom Skis?

Blossom ist noch ein paar Jahre älter als zai und macht auch hervorragende Skis. Wir verfolgen eine ähnliche Philosophie. Wir ergänzen uns gut. Blossom hat mehr Erfahrung im mittleren bis höheren Preissegment, wir im exklusiveren Luxussegment. Und Blossom produziert in Chiavenna. Mit der zai-Produktion im Bergell können wir Synergien nutzen und Produktionsabläufe verbessern.

 

Weniger Produktionskosten durch billigere Arbeitskräfte aus Italien?

Nein, darum geht es nicht. Wir können uns aber Kosten teilen, vom Know How profitieren und gemeinsam noch näher zum Kunden rücken – z.B. im Engadin.

 

zai profitierte bekannterweise auch von Beiträgen der Wirtschaftsförderung des Kantons Graubünden und verlegt Forschung und Showroom nun nach Zürich. Ist das im Sinne des Erfinders?

zai bleibt ein Produkt aus den Bündner Bergen. Wir müssen nach 15 Jahren nun eine Neuausrichtung vornehmen, damit zai eine Zukunft hat und weiterhin in Graubünden produzieren kann. Das ist sicherlich auch im Sinne der Bündner Wirtschaftsförderung. zai bekennt sich zu Graubünden. Aus Branding-Gründen – aber auch, weil wir die Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung immer als sehr partnerschaftlich empfunden haben. Graubünden ist zudem Bestandteil des internationalen Wirtschaftsraumes der Greater Zurich Area. zai bildet mit Lab und Showroom in Zürich sowie Produktion und Kundenerlebnis in Graubünden genau diese Verbindung ab.

 

Wer sind eigentlich die Investoren von zai?

Zu den Hauptinvestoren, die gemeinsam rund 80 Prozent an zai besitzen, gehören Thomas Staubli, ehemals Partner der Partners Group Zug, Walter Bosch, ehemaliger VR-Vizepräsident der Swiss sowie ehemaliger Chefredaktor des “Blick”, Unternehmer Patrik Lütjens und Ricardo Cordero, Ex-CEO der BZ Bank. Sie haben insgesamt rund 14 Millionen Franken investiert und konnten bisher das Überleben von zai sichern.

 

Mit zai’s Benedikt sprach Reto Küng von Küng pluskom